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Die Lehmöfen sind so konstruiert, dass Pflege und Wartung von einer durchschnitlichen nepalesischen Familie geleistet werden können: Regelmäßiges Reinigen des Kamins, Ausbesserung von Rissen im Lehm, Glätten der Löcher, damit die Töpfe bündig sitzen. Das sind Tätigkeiten, die normalerweise keine Schwierigkeiten verursachen dürften. Schwieriger wird es schon, wenn das Kamin-Endstück (Outlet) kaputt ist und ersetzt werden muss oder sich Probleme in der Funktion des Ofens einstellen. Im Monitoring stellten wir auch fest, dass es viele ältere Menschen gibt, deren Kinder nicht im Haus sind und die mit diesen Aufgaben überfordert sind.

In solchen Fällen kann ein Profi helfen. Aus diesem Grund haben wir in den Distrikten Gulmi und Pyuthan ein Pilotprojekt gestartet:  Erfahrene Ofenbauer*innen, die sich schon im Beruf bewährt haben, werden weitergebildet zu sogenannten "Maintenance Experts". Die Teilnehmer*innen lernen alles über Pflege, Instandhaltung und Reparatur der rauchfreien Küchenöfen. Sie sorgen für Sicherheit und Langlebigkeit der Öfen und bestätigen den Eigentümern die einwandfreie Funktion. Das Berufsbild ist mit dem des Schornsteinfegers in Deutschland vergleichbar. Zudem erhalten die Teilnehmer*innen auch eine Schulung für eine medizinische Grundversorgung bei akuten Verbrennungen.

Ziel ist es, dass die Schornsteinfeger*innen ein gesichertes monatliches Einkommen erhalten. Langfristig soll die Teilselbstständigkeit oder Selbstständigkeit ermöglicht werden. Daher werden auch die hierzu erforderlichen Kenntisse in der Ausbildung vermittelt.

Schornsteinfeger*innen bringen Glück

Dieser Spruch trifft hier voll und ganz zu. Wer eine Ausbildung erfolgreich absolviert hat, braucht keine Zukunftsangst mehr zu haben. Ein gesichertes Einkommen und ein angesehener Beruf sind ein gutes Sprungbrett in eine glückliche Zukunft. Auch die Eigentümer der Öfen freuen sich über dieses innovative Projekt, denn die regelmäßige Kontrolle gibt ihnen die Sicherheit, dass ihre Öfen einwandfrei funktionieren. Zudem ist bei Defekten eine fachgerechte Reparatur möglich.

Der Verlauf des Projekts

Im Herbst 2019 wurden die ersten 20 Ofenbau-Expert*innen aus Gulmi und Pyuthan ausgebildet. Der Kurs erstreckte sich über fünf Tage und machte allen Teilnehmer*innen viel Spaß. Es gab Rollenspiele, bei denen die Situation in den Dörfern dargestellt wurde und es gab einen praktischen Tag, bei dem alle angehenden „Nepal-Schornsteinfeger*innen“ ihre Leistungen direkt vor Ort anbieten konnten.

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Seit Ende 2019 wird nun repariert. Dazu sollten die Expert*innen im Umkreis ihres Wohnorts ihre Leistung anbieten und gleichzeitig eine erneute Schulung der Besitzer*innen für den korrekten Gebrauch der Öfen durchführen. Es wird klargestellt, dass das eine Serviceleistung ist, die nicht kostenlos zu haben ist, aber zur Zeit noch vom Ofenmacher e.V. zu 50 % subventioniert wird. Die Reinigung und Reparatur eines Ofens kostet 130 bis 150 nepalesische Rupien, in etwa 1 bis 1,20 Euro. In einigen Dörfern wird der Eigenanteil der Haushalte vom Umweltbudget der Gemeinde übernommen.

Im ersten Jahr führten die Maintenance Experts schon fast 3000 Reparaturen oder Wartungsaufgaben aus, obwohl in den Monaten April bis Juni auch in Nepal das öffentliche Leben wegen der COVID-Pandemie stark eingeschränkt war.