Unsere Lehmöfen sind so konstruiert, dass Pflege und Wartung von einer durchschnittlichen nepalesischen Familie geleistet werden können. Dazu gehören regelmäßiges Reinigen des Kamins, die Ausbesserung von Rissen im Lehm, das Glätten der Löcher, damit die Töpfe bündig sitzen. Das sind Tätigkeiten, die normalerweise keine Schwierigkeiten verursachen dürften. Problematischer wird es schon, wenn der „Outlet“, das Kamin-Endstück kaputt ist und ersetzt werden muss, oder sich Probleme in der Funktion des Ofens einstellen. Im Monitoring stellten wir auch fest, dass es viele ältere Menschen gibt, deren Kinder nicht im Haus sind und die mit diesen Aufgaben überfordert sind.
In solchen Fällen kann ein Profi helfen, dem wir den wunderbaren Namen eines Schornsteinfegers gegeben haben. Im Englischen sind es die Maintenance-Experten.
In den Distrikten Gulmi und Pyuthan haben wir ein Pilotprojekt gestartet: Erfahrene Ofenbauerinnen und Ofenbauer, die sich schon im Beruf bewährt haben, werden weitergebildet zu „Maintenance Experts“. Dort lernen sie alles über Pflege, Instandhaltung und Reparatur der rauchfreien Küchenöfen. Sie sorgen für Sicherheit und Langlebigkeit der Öfen und bestätigen den Eigentümern die einwandfreie Funktion. Das Berufsbild ist mit dem des Schornsteinfegers in Deutschland vergleichbar (daher auch unsere Bezeichnung). Zudem erhalten die Teilnehmer auch eine Schulung für eine medizinische Grundversorgung bei akuten Verbrennungen.
Ziel ist es, dass die Schornsteinfeger ein gesichertes monatliches Einkommen erhalten. Langfristig soll die Teilselbstständigkeit oder Selbstständigkeit ermöglicht werden. Daher werden auch die hierzu erforderlichen Kenntnisse in der Ausbildung vermittelt.

Schornsteinfeger bringen Glück
Dieser Spruch trifft hier voll und ganz zu. Wer eine Ausbildung erfolgreich absolviert hat, braucht keine Zukunftsangst mehr zu haben. Ein gesichertes Einkommen und ein angesehener Beruf sind ein gutes Sprungbrett in eine glückliche Zukunft. Auch die Eigentümer der Öfen freuen sich über dieses innovative Projekt, denn die regelmäßige Kontrolle gibt ihnen die Sicherheit, dass ihre Öfen einwandfrei funktionieren. Zudem ist bei Defekten eine fachgerechte Reparatur möglich.

Der Verlauf des Projekts
Natürlich begann alles erst einmal damit, den Bedarf zu ermitteln. Hierzu betrachtete man in der Provinz Gulmi die Statistiken zu den häufigsten Ursachen für die Fehlerhaftigkeit bei bestehenden Öfen. Immerhin etwas mehr als ein Viertel der Öfen zeigte überhaupt keine Mängel. Die übrigen etwa drei Viertel teilten sich in verschiedene Ursachen auf, wie die nachfolgende Grafik zeigt:

Auf Basis dieser Ausgangszahlen wurden im Herbst 2019 die ersten 20 Ofenbau-Experten aus Gulmi und Pyuthan ausgebildet. Der Kurs erstreckte sich über fünf Tage und machte allen Teilnehmern viel Spaß. Es gab Rollenspiele, bei denen die Situation in den Dörfern dargestellt wurde und es gab einen praktischen Tag, bei dem alle angehenden „Nepal-Schornsteinfegern“ ihre Leistungen direkt vor Ort anbieten konnten.
Über die genannten Rollenspiele gibt es einen eigenen Artikel und die Teilnehmerin Ambika Pun hat ihre Geschichte zum Kurs aufgeschrieben. Beide Links findest du am Ende der Seite.
Echtbetrieb läuft
Seit Ende 2019 wird nun repariert. Dazu sollten die Experten im Umkreis ihres Wohnorts ihre Leistung anbieten und gleichzeitig eine erneute Schulung der Besitzer für den korrekten Gebrauch der Öfen durchführen. Es wird klargestellt, dass das eine Serviceleistung ist, die nicht kostenlos zu haben ist, aber zurzeit noch von uns zu 50 Prozent subventioniert wird. Die Reinigung und Reparatur eines Ofens kosten 130 bis 150 nepalesische Rupien, in etwa 1 bis 1,20 Euro. In einigen Dörfern wird der Eigenanteil der Haushalte vom Umweltbudget der Gemeinde übernommen.
Im ersten Jahr führten die Maintenance Experts schon fast 3.000 Reparaturen oder Wartungsaufgaben aus, obwohl 2020 auch in Nepal das öffentliche Leben wegen der COVID-Pandemie stark eingeschränkt war.
Wartungsleistungen im Jahr 2020
Übersicht nach Rural Municipalities (Gemeinden)

Von April bis Juni gab es keine Meldungen wegen der Corona-Pandemie, im Oktober keine Meldungen wegen Feiertagen.
Weiterführende Links:

Rollenspiele im Maintenance-Kurs
