Sie werden einen Film zeigen! Die Nachricht verbreitet sich wie ein Buschfeuer im Dorf. Die Frauen sind aufgeregt und beeilen sich, ihre Hausarbeit fertig zu bekommen, um pünktlich beim Meeting der Gesundheitserziehungsklasse zu sein.

Tatsächlich hat die Lehrerin mehrere Gäste mitgebracht. Der Filmprojektor ist auch schon aufgebaut als Thuli und Kanchi auf dem Dorfplatz ankommen. Die Schwägerinnen verstehen sich gut. Sie wohnen in dem langen Farmhaus am Rande des Dorfes. Beide haben ihre Kinder mitgebracht.
Die Gäste werden als Vertreter einer Organisation vorgestellt und einer von ihnen ist Ofenbauer, sagt die Lehrerin. Vom Film ist gar nichts zu sehen im hellen Sonnenschein, und die ganze Gruppe zieht um in den leeren Ziegenstall. Was dann geboten wird, ist genauso unerwartet wie überraschend für die Frauen. Sie sehen Alltagsszenen, eine Frau mit Familie beim Kochen in einem Bauernhaus mit Tieren und Maislager in der Zimmerecke. „Was soll denn das? Das haben wir doch zu Hause auch“, fragen sich Thuli und Kanchi.

Den ganzen Nachmittag sprechen die jungen Frauen über das Thema des Filmes. Ein moderner Ofen, der die Küche sauber hält, das wäre schon schön, aber geht das überhaupt? Man könnte Zeit sparen beim Holz sammeln und auch beim Kochen – eigentlich unglaublich. Der Qualm vom Kochfeuer macht krank – das hatten sie ja schon immer gedacht. Und für die Kinder sei es sicherer, weil sie nicht so einfach ins Feuer krabbeln können.
Thuli und Kanchi haben alles genau überlegt und werden ihre Männer sofort bearbeiten, nachdem diese von den Feldern heimkommen. Sie haben starke Argumente, finden sie.

Som Bahadur und Dhan Bahadur kehren nach einem harten Arbeitstag vom unteren Maisfeld zurück und trinken erst einmal einen Milchtee. Alle zusammen sitzen in der Sonne auf dem Hausvorplatz.
„Wir bekommen einen modernen Küchenofen“ beginnt Kanchi das Gespräch. „Für unsere Kinder ist das ganz wichtig und ich werde mehr Zeit haben für die anderen Arbeiten“. Thuli informiert weiter: „Die Organisation, die heute in der Frauengruppe war, wird uns den Ofen zur Verfügung stellen, und damit auch die Gesundheit fördern.“ Die Antworten der Männer lauten „Hm“ und „tick cha“, was so viel heißt wie ok.
Siebenundzwanzig Haushalte werden im ersten Anlauf mit rauchfreien Küchenöfen aus Lehmsteinen ausgestattet. Alle Hausbesitzer haben schon das Material herbeigeschafft. Es ist überall vorhanden und muss nur eingesammelt werden. Man braucht Lehmerde, Kuhdung, Reisspreu und natürlich Wasser, dann kann es losgehen.

Der Ofenbauer schläft im Haus von Thuli und Kanchi und sie sind sehr stolz, dass sie ihm einen Schlafplatz und das tägliche Morgenessen geben können. Seit gestern sind der Ofenbauer und sein Helfer dabei, in jedem Haus die Lehmmischung zu bereiten und mit den Formen die Steine herzustellen, die dann an der Luft getrocknet werden müssen. Nur sieben Tage Sonnenschein haben ausgereicht, um die Lehmsteine hart wie Klinker werden zu lassen. Heute früh sind der Ofenbauer und sein Helfer wieder ins Dorf gekommen. Nach dem obligatorischen Milchtee geht die Arbeit los. Natürlich wird der erste Ofen in Thulis Haus aufgesetzt.

Zusammen mit der Hausfrau bestimmt der Ofenbauer den richtigen Platz und beginnt dann gleich mit der Arbeit. Das Fundament ist schnell gelegt. Mit viel Erfahrung und sicheren Handgriffen setzt der Ofenbauer die Eisenstäbe ein, um dem Ofen Festigkeit zu geben. Die Nachbarn und die Kinder sitzen im Kreis um die Baustelle herum und beobachten und kommentieren jeden Arbeitsschritt.
„Welches sind deine Lieblingstöpfe?“, fragt der Ofenbauer die Hausfrau. Sie gibt ihm den großen Topf, in dem sie immer Reis kocht und den kleineren Teetopf. Mit Schwung werden die Töpfe in den noch weichen Lehm gedrückt und so eine perfekte Anpassung für die Kochstellen geformt. Auch der Schornstein ist schon mannshoch. Dhan Bahadur hat das Loch selbst in die Hauswand gestemmt. Nun werden die getöpferten Rohre eingepasst, durch die der Qualm aus dem Ofen nach draußen geleitet werden soll.

Drei Stunden sind vergangen, als der Ofenbauer den allerletzten Schliff anbringt. Sein Werk hat jetzt eine schöne glatte Oberfläche und zwei perfekt runde Kochstellen. Die Öffnung für das Feuerholz, der lange Schornstein und draußen der Rauchabzug mit dem getöpferten Schornsteinkopf, alles ist fertig. Auch eine kleine Schulung, wie man den Schornstein reinigen kann, hat der Ofenbauer durchgeführt. Nur schade, dass man noch einmal einige Tage warten muss, bis alles ausreichend getrocknet ist, bevor man kochen darf.

Nicht lange danach hat der Ofenbauer die Arbeiten im ganzen Dorf fertiggestellt. Thulis und Kanchis Ofen können da schon in Betrieb genommen werden. Alle Frauen sind auf den Hof gekommen und feiern das Ereignis mit Tee und Keksen. Thuli hat schon dünne Äste sowie etwas Heu bereitgelegt und zündet jetzt das Feuer an. Der erste Qualm, der entsteht steigt hoch und raucht aus dem Schornstein an der Hauswand heraus. Die Küche wurde neu „geweißelt“ mit dem üblichen Lehmerde-Gemisch, was man mit dem feuchten Lappen auf die Wände aufträgt. Alles ist in Sonntagsstimmung und bald kocht der Milchtee auf dem Herd.
Die Frauen im Dorf werden ihre Erfahrungen machen und diese dann im Nachbardorf weitererzählen. Sie hoffen, dass der Ofenbauer schon bald wieder eingeladen werden muss, um weitere Öfen aufzustellen.